Durch die hohen zulässigen Geschwindigkeiten auf Autobahnen (unbegrenzt), Landstraßen (max. 100 km/h) und innerorts (50 km/h) kommt es gleich zu mehreren Problemen:
zu hohe Emissionen von Treibhausgasen, Stickoxiden und Feinstaub, zu hoher Lärm, sehr hohe Unfallzahlen und sehr hohe volkswirtschaftliche Kosten. Das muss und kann schnell (!), einfach und ohne wesentliche Kosten geändert werden – durch Tempolimits:

  • Durch ein Tempolimit von 120 km/h auf Autobahnen würden die Treibhausgas-Emissionen um 3 bis 3,5 Millionen t zurückgehen.
  • Die häufigste Unfallursache mit Todesfolge ist zu hohe Geschwindigkeit (25 %). Für die Reduktion der Unfallzahlen gibt es keine übergreifende Studie, aber mehrere Realmessungen, die einen hohen Rückgang der Unfallzahlen zeigen. Beispielsweise nahmen an zwei Autobahnabschnitten in Brandenburg die Unfallzahlen schon nach Einführung von einem Tempolimit von 130 km/h drastisch ab: 48 % weniger Unfälle und 57 % weniger Verunglückte.

Durch eine Geschwindigkeitsbegrenzung käme es zu einem deutlich entspannteren Fahren, einem flüssigeren Verkehr, weniger Staus und durch bessere Ausnutzung der Fahrspuren sogar zu einer Erhöhung der Kapazität der Autobahnen (bzw. weniger erforderlichem Neubau).
Der Zeitverlust durch ein Tempolimit wird üblicherweise völlig überschätzt. In Brandenburg sank die mittlere Geschwindigkeit von 137 km/h nach dem Tempolimit auf 127 km/h. Pro km Fahrtstrecke verlieren Autofahrer*innen dadurch allerdings nur zwei Sekunden Fahrtzeit!
Nach einer unveröffentlichten Studie im Auftrag der Bundesregierung fahren übrigens nur 10 % der Autofahrer*innen im Schnitt schneller als 130 km/h.
Bei den Flächenstaaten haben weltweit nur Afghanistan, Deutschland, Nordkorea und Somalia kein Tempolimit auf Autobahnen. In den anderen europäischen Ländern und selbst im klassischen Autoland USA gibt es dagegen Tempolimits (120 oder 130 km/h).
Bei einem Tempolimit von 80 km/h auf Landstraßen (statt 100 km/h) dürften die Emissionen von Treibhausgas- und Schadstoffen leicht zurückgehen, die Unfallzahlen dagegen deutlich. Tempo 30 in Ortschaften ist die wirkungsvollste Maßnahme, um dort die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Bei niedrigen Geschwindigkeiten sinkt das Verletzungsrisiko, vor allem für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen. Autofahrer*innen können bei niedrigen Geschwindigkeiten besser auf brenzlige Situationen reagieren. Bei 50 km/h beträgt der Bremsweg eines Autos 25 m, bei 30 km/h mit 9 m deutlich kürzer. Weiter werden die gesundheitsschädlichen Schadstoffe (Stickoxide und Feinstaub) und die Lärmbelastung deutlich reduziert.
Bei 30 km/h sind die Lärmemissionen der Fahrzeuge im Mittel um rund 2 bis 3 dB(A) reduziert – das wird wie eine Halbierung der Verkehrsmenge wahrgenommen.
Weil der Zeitvorteil durch Autonutzung deutlich zurückgeht oder je nach örtlichem Umfeld sogar ganz verschwindet, und die Sicherheit für Fahrradfahrer*innen erhöht wird, wäre eine deutliche Verschiebung auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel (ÖPNV, e-Bikes, Fahrräder) zu erwarten.
Bislang dürfen kommunen das Tempolimit von 30 km/h nicht flächendeckend einführen. es muss für jede Straße bzw. Zone begründet werden (niedrigere Schadstoffemissionen, Lärmschutz, höhere Sicherheit – z. B. bei Kindergärten, Schulen). Auf lokaler Ebene gibt es meist schon viele Tempo 30-Zonen. in München ist Tempo 30 auf mehr als 80 % des Straßennetzes die Regel, in Berlin gilt auf etwa 75 % des Straßennetzes Tempo 30 oder weniger.
Für Aktionen zu Tempo 30 gibt es Informationsmaterial vom VCD – Verkehrs-Club Deutschland

 

Übergeordnet würde sich aus den Geschwindigkeitsbegrenzungen auch eine Änderung der Fahrzeugentwicklung ergeben. Im Jahr 2017 lag in Deutschland die durchschnittliche (!) Höchstgeschwindigkeit neu zugelassener PKWs bei absurd hohen 200,1 km/h19. Weniger hochmotorisierte Pkw haben deutlich geringere Emissionen. Bei Elektrofahrzeugen wäre bei einem Ausschluss von Geschwindigkeiten über 120 km/h nur noch eine kleinere Batterie notwendig oder es würde sich bei gleicher Batteriegröße eine größere Reichweite ergeben.
Nach Festlegung der Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen sollte auch der Einbau von digitalen Systemen zur automatischen Einhaltung der Tempolimits in alle Autos vorgeschrieben werden – mit Ausnahmeregelungen für Polizei, Krankenwagen und Feuerwehr.
Im Kabinettsbeschluss der Bundesregierung vom 9. Oktober 2019 wurden keine Tempolimits beschlossen. Tempolimits wurden nicht einmal erwähnt!

What do we want? Speed limit! When do we want it? Now!

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