Sind Elektro-Autos besser als Diesel-Autos?

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Elektroautos sind aus Umweltsicht schon heute deutlich besser als Dieselautos oder Benziner, und sie werden mit technischer Optimierung der Batterien und zunehmend höheren Anteilen an erneuerbarem Strom im Strommix noch besser. Gegenüber Dieselautos haben Elektro-Autos zwei Riesenvorteile: Sie sind innerorts lärmarm (bei niedrigen Geschwindigkeiten kaum zu hören) und sie stoßen keine Schadstoffe aus. Auch die CO 2-Emissionen sind niedriger, der Materialaufwand dagegen höher als der von Dieselautos.
Die Ergebnisse des Autovergleichs hängen von mehreren Annahmen ab. Diese müssen fair und gleichgewichtig bestimmt werden, weil man sonst das Ergebnis in eine gewünschte Richtung verschieben kann. Zum Beispiel wird der Diesel günstiger, wenn man sehr hohe Werte für die Batterieproduktion ansetzt, eine geringe Gesamtfahrleistung oder nur den heutigen Strommix zur Berechnung nimmt (und nicht den Durchschnittsmix über die nächsten 12 Jahre Lebenszeit des Fahrzeugs − durch den steigenden Anteil Erneuerbarer Energien wird der Strommix von Jahr zu Jahr besser), oder wenn man annimmt, dass das Elektroauto nur abends/nachts geladen wird (weil da kein Photovoltaik-Strom produziert wird und mehr Kohlekraftwerke laufen müssen). Umgekehrt wird das Elektroauto günstiger, wenn man den Strom nur aus der eigenen Photovoltaikanlage lädt oder einen Strommix mit viel Wasserkraft hat, wie etwa in Norwegen.
Für einen fairen Vergleich muss man natürlich auch gleich große Autos nehmen. Das Öko-Institut hat die CO 2-Emissionen eines E-Golfs mit einem Diesel-Golf verglichen (Lebensdauer 12 Jahre, Gesamtfahrleistung 180.000 km, und dabei folgende Werte zugrunde gelegt:

  • Diesel-Golf: Verbrauch 5,8 l/100 km (nach einer Studie des ICCT liegen die realen Emissionen von neuen Pkw im Schnitt um 42 % über den von den Herstellern angegebenen Werten). CO 2-Emissionen pro Liter Diesel (inkl. Dieselherstellung): 3,01 kg CO 2/l. Emissionen bei der Produktion des Golfs: 5,67 t CO 2.
  • E-Golf: Verbrauch Strom: 15 kWh / 100 km und zusätzlich 10 % Verluste beim Laden, zusammen also 16,5 kWh/100 km. CO 2-Emissionen pro kWh Strom: 0,480 kg CO 2/kWh. Das sind die Durchschnitts-Emissionen des deutschen Strom-Mix der nächsten 12 Jahre (2017−2028), bei dem gemäß Planung der Bundesregierung der Anteil der Erneuerbaren Energien zunimmt. Emissionen bei der Produktion des Golfs: 5,67 t CO 2 plus 5,012 t CO 2 für die Produktion der Batterie mit einer Batteriekapazität von 35,8 kWh.
    Mit diesen Werten betragen die Gesamt-Emissionen nach 180.000 km beim Diesel-Golf rund 37.000 kg CO2 und beim Elektro-Golf rund 25.000 kg CO2.

Bei einer Gesamtfahrleistung von mehr als 180.000 km wird der Elektro-Golf im Vergleich noch besser (weil sich der Aufwand zur Herstellung der Batterie auf mehr Kilometer verteilt).
Wird eine Gesamtfahrleistung von nur 53.000 km angenommen, wären die CO 2-Emissionen der beiden Golf gleich hoch.
Für die Batterie-Produktion und Elektromotoren werden spezielle Rohstoffe benötigt: Lithium, Kobalt, Nickel und Platin. Hier wird oft behauptet, dass diese nicht ausreichend zur Verfügung stehen, und die Gewinnung hoher Umweltprobleme aufwirft und nicht sozial verträglich ist.

Eine Studie des Öko-Instituts zeigte, dass grundsätzlich ausreichend Rohstoffe vorhanden sind, es aber bei einer sehr schnellen Entwicklung der Elektromobilität vorübergehend zu Verknappungen kommen könnte. Schon deshalb, aber erst recht aus grundsätzlichen Gründen sollten hohe Recyclingraten vorgeschrieben werden. Bei der Rohstoffförderung gibt es tatsächlich große ökologische und soziale Probleme − aber das gilt leider auch für die Gewinnung von Blei für die klassischen Bleibatterien, von Platin für die Auto-Katalysatoren und für viele andere Einsatzbereiche wie etwa für die Produktion von Computern oder Smartphones.
Die Minimierung der Umweltbelastung bei der Rohstoffgewinnung und -verarbeitung und die Vermeidung sozialer Probleme bei der Rohstoffgewinnung sollten deswegen grundsätzlich für alle Sektoren und Produkte vorgeschrieben werden – nicht nur für Elektroautos.

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