Flugkompensation – Bringt das was?

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Weil Flüge mit hohen Treibhausgasemissionen verbunden sind, werden hier freiwillige Kompensationen angeboten, mit denen andernorts eine vergleichbare Menge an Treibhausgasen verringert wird. Allerdings machen das nur etwa 2 % der Passagiere. Bei einem Hin-und Rückflug Berlin-Frankfurt am Main kostet das etwa zehn Euro. Bringt das wirklich was? Ist das nicht bloße Gewissensberuhigung? Oder gar ein neuer Ablasshandel wie im Mittelalter in der Katholischen Kirche? Da konnte man durch Zahlung einer Buße von eventuellen Sünden und damit vom Fegefeuer (heute Klimaerhitzung?!) befreit werden.

Tatsächlich sollte man möglichst nicht oder möglichst wenig fliegen, innerdeutsch schon gar nicht. Aber natürlich gibt es auch gute Gründe für einzelne (nicht gehäufte!) Flugreisen: eine unvermeidbare Geschäftsreise, der Besuch von Verwandten in Übersee oder – in langen Abständen – eine Ferien- oder Kulturreise in ferne Länder. In diesen Fällen macht eine Kompensation Sinn − wenn dabei wichtige Standards eingehalten werden (richtige Berechnung, Kompensationsprojekt würde sonst nicht von alleine zustande kommen, muss hohen entwicklungspolitischen Ansprüchen genügen und durch den sogenannten CDM Gold Standard zertifiziert sein, wie etwa bei www.atmosfair.de

Unabhängig davon können Kompensationen nur in einem beschränkten Umfang stattfinden.
Sonst könnte Deutschland seine 866 Millionen t CO 2 -Emissionen ja einfach mit zehn Euro kompensieren und könnte mit weniger als 9 Milliarden Euro/Jahr „klimaneutral“​ werden.

Die zehn Industrieländer mit den größten Emissionen verursachen zusammen rund 66 % der globalen Emissionen. Wenn die restlichen Länder alle ihre Emissionen (zusammen 34 %) durch Kompensationsprojekte auf null reduzieren würden, könnten sie rechnerisch Emissionen in der gleichen Höhe (34 %) bei den zehn größten Emittenten kompensieren. Real würden die globalen Emissionen dadurch aber nur um 34 % sinken! Die Emissionen bei den zehn Emittenten wären unverändert hoch!

Der finanzielle Betrag der Kompensation ist derzeit (Sommer 2019) im Übrigen sehr niedrig. Am höchsten ist er bei Atmosfair – da wird von einem RFI-Faktor von 3 ausgegangen. Bei MyClimate ist er niedriger (Annahme RFI-Faktor = 2). Am günstigsten, aber wenig zielgerichtet, kann man bei der Lufthansa kompensieren – die gibt zwar zu, dass es einen RFI-Faktor gibt, bezieht ihn aber nicht ein (RFI=0), weil seine genaue Höhe umstritten sei. Man kann also ruhig noch mehr spenden! Wenn man beispielsweise politisch eine CO 2 -Steuer von 180 Euro/t fordert und in der Höhe „kompensieren“ würde, wäre das ein viel höherer Betrag. Den kann man ja einer Umweltorganisation spenden, damit diese die politischen Forderungen zur Rücknahme der Steuerbefreiung beim Flugverkehr noch besser vertreten kann!

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