Von Windkraftgegnern werden Windkraft (nebenbei auch die Photovoltaik) und das Förderinstrument EEG geradezu verteufelt (siehe etwa www.vernunftkraft.de). Die Windkraft hätte keinen Nutzen für den Klimaschutz und sei einfach nur Geschäftemacherei. Als Lösungen werden diffus und allenfalls in Stichworten Forschung, Technologieoffenheit sowie wenig erprobte oder wenig erfolgreiche Alternativen aufgeführt (wie etwa Strömungskraftwerke, Osmosekraftwerke oder Geothermie). Ein direkter Vergleich mit Atomkraftwerken und Kohlekraftwerken wird vorsichtshalber nicht gezogen, denn dann würde ja jeder sehen, wie gut die Windkraft und wie katastrophal die fossilen Energieträger und die Atomkraft abschneiden. Die fossilen Energieträger sind die Hauptverursacher der Klimaerhitzung mit all ihren Folgen. Unabhängig davon gibt es schon massive Probleme bei der Rohstoffförderung (Beispiel Ölförderung, Braunkohletagebau, Uranabbau), beim Transport (zahlreiche Katastrophen mit Öltankern, die Meeresverschmutzung mit Fisch- und Artensterben verursachen), Gesundheitsprobleme durch Schadstoffemissionen und massive Störfallrisiken bei der Atomenergie.

Beim tatsächlichen Problem der Windenergie, der Gefährdung von Raubvögeln und Fledermäusen, wird das durchaus traurige Sterben von etwa 10.000 bis 100.000 Vögel pro Jahr durch Windräder (etwa fünf pro Windkraftanlage!) von den Windkraftgegnern zum riesigen Artensterben hochstilisiert. Kein Wort zu und kein Vergleich mit Intensivlandwirtschaft, Flurbereinigung und massivem Pestizideinsatz – dem Hauptverursacher des Artensterbens. Kein Vergleich mit der industriell betriebenen Fischerei mit ihren Stellnetzen und Reusen, an denen allein in Ost- und Nordsee zwischen 100.000 und 200.000 Seevögel pro Jahr sterben. Kein Vergleich mit Glasscheiben an Gebäuden, an denen etwa 18 Millionen Vögel pro Jahr sterben. Kein Vergleich mit dem Straßenverkehr, durch den pro Jahr etwa 220.000 große Wildtiere getötet werden und – geschätzt – Dutzend Millionen Vögel getötet werden. Und erst recht kein Vergleich mit der Klimaerhitzung, die ohne Wind- und Sonnenergie ungehindert fortschreiten wird und durch die nicht nur einzelne Tiere, sondern viele Tierarten aussterben werden.

 

Windkraft

Windenergie und Photovoltaik ergänzen sich gegenseitig und sind die wichtigsten Alternativen zu fossilen Energieträgern und Mittel gegen die Klimaerhitzung. Windkraftanlagen haben in Umfragen eine hohe Akzeptanz. Vor Ort ist der Bau neuer Anlagen aber oft heftig umstritten. Die Stromproduktion kann aber keinesfalls nur mit Photovoltaik oder auch überwiegend Photovoltaik erfolgen, weil es nachts keinen PV-Strom gibt und im Winter wenig. In den Zeiten gibt es aber gerade viel Windstrom. Die Stromproduktion von Photovoltaik und Windkraft ergänzen sich gut und müssen sich ergänzen. Theoretisch könnte durch die Windenergie in Deutschland das Fünf- bis Sechsfache des derzeitigen Strombedarfs produziert werden. Aufgrund verschiedener Einschränkungen (Abstände zu Siedlungen, Naturschutz, Wirtschaftlichkeit) ist das tatsächlich realisierbare Potenzial aber erheblich kleiner.

Die Windenergie wird an Land (onshore) und auf See (offshore) genutzt. Abhängig von der Lage und ihrer Größe erreichen Windkraftanlagen an Land etwa 1.400 – 1.800 Volllaststunden pro Jahr und offshore bis zu 5.000 Volllaststunden. Windkraftanlagen verursachen nur sehr geringe CO2-Emissionen pro Kilowattstunde – etwa hundertmal weniger als Braunkohlekraftwerke (die den Windkraftanlagen zugeordneten CO2-Emissionen stammen ausschließlich aus der Produktion der Anlagen).

Bei sehr starker und hoher Windproduktion müssen Windkraftanlagen manchmal „abgeregelt“ werden, weil Atom- und Kohlekraftkraftwerke nicht schnell genug ihre Leistung senken können. Die Anlagen werden dann aus dem Wind gedreht, so dass sie keinen Strom mehr produzieren. Die Abregelung wird oft als Argument gegen die Windkraft vorgebracht, stellt aber kein wirkliches Problem dar. Im Jahr 2012 betrug die Abregelung nur 0,7 Prozent der Windstromproduktion, sie sinkt darüber hinaus mit zunehmendem Ausbau des Stromnetzes.

Umweltprobleme bei der Windkraft gibt es vor allem durch die Gefährdung von Greifvogelarten (z. B. Rotmilane oder Mäusebussarde) und bestimmten Fledermausarten. Der Flächenverbrauch der Windkraftanlagen ist im Vergleich zu anderen Energienutzungen wie etwa Braunkohle oder Biomasse geringer; zudem können nach der Bauphase etwa 99 Prozent der beanspruchten Fläche für die ursprünglichen Zwecke genutzt werden.

Durch die Drehung der Rotoren werden sowohl im hörbaren Frequenzbereich als auch im nicht hörbaren Infraschallbereich (Frequenzen unter 20 Hertz) Geräusche bzw. Emissionen erzeugt. Beide nehmen mit dem Abstand ab. Zur Beschränkung der Lärmemissionen müssen Windkraftanlagen Lärmgrenzwerte einhalten (55 Dezibel tagsüber und 40 Dezibel nachts). Zur Einordnung als Vergleich: Flüstern verursacht etwa 30 Dezibel, leise Radiomusik 50, ein Haartrockner 70 und eine Kreissäge 100 Dezibel. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat einen Bericht zur Lärmbelastung durch Windkraftanlagen vorgelegt und als Obergrenze 45 Dezibel empfohlen. Für die durchschnittliche Lärmbelastung durch Straßenverkehr empfiehlt die WHO die Einhaltung von 53 Dezibel (tagsüber) und 45 Dezibel (nachts) und für Schienenverkehr 54 Dezibel (tagsüber) und 44 Dezibel (nachts). Die Werte weichen voneinander ab, weil unterschiedlicher Lärm unterschiedliche gesundheitliche Folgen hat.

Windkraftgegner beklagen neben dem Lärm auch Gesundheitsgefährdungen durch Infraschall. Bei den üblichen Abständen zwischen Energieanlagen und Wohnbebauung wird die Wahrnehmungsschwelle im Infraschallbereich allerdings gar nicht erreicht, wie Geräuschimmissionsmessungen an Energieanlagen in Bayern und Baden-Württemberg zeigen. Die Windkraftanlagen sind im Übrigen nur eine von vielen Infraschallquellen. Andere Quellen sind beispielsweise Heizungs- und Klimaanlagen, Pumpen oder Verkehr oder natürliche Quellen wie Meeresbrandung oder starke Winde. Nach Bewertung des Umweltbundesamts gibt es keinen Nachweis, dass es durch Infraschallemissionen von Windkraftanlagen zu Gesundheitsbelastungen kommt: (https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/moegliche-gesundheitliche-effekte-von).

Der dringend notwendige Ausbau der Windenergie ist leider ins Stocken geraten. Gründe dafür sind Widerstände vor Ort, Landesregelungen, die große Abstände zwischen Windkraftanlagen und Wohnbebauung (vor allem in Bayern und Nordrhein-Westfalen) vorschreiben, komplizierte und lange Genehmigungsverfahren sowie eine zunehmend restriktive Förderpolitik. Die bundesweit geltende Abstandsregelung von 1.000 Metern – mit Abweichungsmöglichkeit für die einzelnen Bundesländern ist für die Windkraft an Land ein Desaster.

Dabei gab es Anfang September 2019 durch ein gemeinsames Positionspapier von acht Umwelt-, Naturschutz- und Industrieverbänden „frischen Wind“ für den Ausbau der Windenergie. Die Umwelt- und Naturschutzorganisationen Deutsche Umwelthilfe (DUH), Germanwatch, Greenpeace und WWF, der Verband kommunaler Unternehmen (VKU), der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) und der Bundesverband Windenergie (BWE) hatten ein geradezu sensationelles, gemeinsames 10-Punkte-Positionspapier für den Ausbau der Windenergie veröffentlicht. In dem Papier fordern die Verbände einen „forcierten Ausbau“ der Windenergie und der Photovoltaik zur Erreichung des klimapolitisch gesetzten Ziels von 65 Prozent an Erneuerbaren Energien bei der Stromproduktion bis 2030. Sie fordern einen Abbau der Hemmnisse für den Windausbau an Land und eine Erhöhung der Ausweisung von Flächen für den Ausbau der Windenergie.

  • Share: